Lilium Aviation

Der Prototyp ist startklar, wird aber noch ferngesteuert. Mit einer Flügelspannweite von gerade einmal zehn Metern braucht der Senkrechtstarter nur wenig Platz zum Landen und Starten. © Uli Singer

Gilching – Während landauf landab Verkehrsstrategen überlegen, für viel Geld das Straßennetz zu sanieren, sind Daniel Wiegand und sein Team dabei, es zu revolutionieren. Ziel ist, in etwa fünf Jahren mit kleinen E-Jets auf so genannten Luftstraßen von A nach B zu reisen. Der Prototyp ist startklar.

Ein Firmenschild gibt es nicht. Und die wenigsten Menschen wissen, dass am Standort ASTO-Park an der Friedrichshafener Straße in Gilching Geschichte geschrieben wird. „Wir sind stolz darauf, dass sich hier immer mehr Start-up-Unternehmen ansiedeln, die mit Zukunftsprojekten Erfolg haben“, sagt Ekkehart Fabian, Geschäftsführer der ASTO-Business-Group. Eingeladen hat Lilium Aviation, ein junges Team, das an einem ausgeklügelten Verkehrssystem in bis zu drei Kilometer Höhe tüftelt.

Flugobjekt kann senkrecht starten

„Als ich das erste Mal von meiner Idee mit dem senkrecht startenden Elektro-Jet erzählte, erntete ich Erstaunen aber auch wohlwollende Skepsis“, erzählt Firmengründer Daniel Wiegand. Seine Vision erinnerte sehr an die 80er Jahre, als Bruce Willis in dem Actionfilm „Das fünfte Element“ mit einem Jet durch Häuserschluchten düste. Beirren ließ sich Wiegand nicht. „Der Bedarf ist da. Ich war von Anfang an überzeugt, dass sich in wenigen Jahren ein signifikanter Teil der Mobilität in der Luft abspielen wird.“

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Daniel Wiegand (v.l.), Patrick Nathen, Thorben und Ekkehart Fabian und Sebastian Born – © Uli Singer

Projektziel des 31-jährigen Ingenieurs war vor zwei Jahren, ein elektrisches Flugobjekt zu entwickeln, das auf kleinstem Raum senkrecht starten und landen kann, ohne auf die Infrastruktur eines Flughafens angewiesen zu sein. In Sebastian Born (Maschinenbau), Patrick Nathen (Aerodynamiker) und Matthias Meiner (Mechatroniker) fand er drei Mitstreiter, die das Zukunftsprojekt begeistert mitgestalten.

„Die Vorteile liegen auf der Hand“

„Die Vorteile liegen auf der Hand“, sagt Wiegand. „Der Individualverkehr wird durch die CO2-neutralen E-Jets nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch leiser, da wir den Transitverkehr in große Höhen bringen, wo er nicht stört. Ein weiterer Gewinn ist, dass das Verkehrsaufkommen auf den Straßen entlastet wird und die Passagiere dreimal schneller ans Ziel kommen, als dies mit Auto oder Bahn möglich wäre. Firmenziel ist, diese Art zu reisen künftig jedem zu ermöglichen.“

Und wie sehen die Luftreisen in der Realität aus? Auch hierfür haben Wiegand und sein Team ein umsetzbares Konzept in der Tasche. „Da der Jet keine Start- und keine Landebahn benötigt, kann er von überall aus starten, wo etwas mehr Platz ist, als für ein Auto benötigt wird.“ Gedacht ist an Hotspots mit E-Tankstellen, die übers Land verteilt angeflogen werden.

Entwickler: Reichweite beträgt bis zu 300 Kilometer

Die Entwickler gehen derzeit von einer Fluggeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern und von einer Reichweite bis zu 300 Kilometer aus. Das visionäre Flug-Objekt ist außerdem für vier Personen inklusive Pilot vorgesehen und soll als Air-Taxi-Service angeboten werden, den man per App bestellen kann.

Mit einer der Ersten, der an die Idee glaubte, war Frank Thelen, bekannt durch die VOX-Sendung „In der Höhle der Löwen“. Er finanzierte das Start-up-Unternehmen mit einer halben Million Euro. Thelen vermittelte zudem eine Zehn-Millionen-Euro-Förderung durch Atomico, dem Venture-Capital-Unternehmen von Skype-Mitgründer Niklas Zennström. „Damit sind wir unserer Produktion des Jets um einen großen Schritt näher gekommen“, freut sich Wiegand.

„Ich denke, in drei bis fünf Jahren ist es soweit“

Der Prototyp ist startklar, wird aber noch ferngesteuert. Testflüge sind in Planung. Wann genau mit der Serien-Produktion begonnen wird, steht allerdings noch nicht fest, sagt Wiegand. Derzeit sind er und ASTO-Chef Fabian dabei, für die geplante Expansion angemessene Räumlichkeiten zu finden. Von derzeit 35 soll noch dieses Jahr auf 80 Mitarbeiter aufgestockt werden.

Und wann wird der erste Mensch im E-Jet auf Reisen gehen? Wiegand: „Ich denke, in drei bis fünf Jahren ist es soweit. Es gibt viele Anfragen aus anderen Ländern, die das System übernehmen wollen. Wir würden aber am liebsten hier im Herzen Europas auf den Markt gehen.“

Von Uli Singer
Quelle: Münchener Merkur

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